Über Karsten Wenzlaff

Karsten interessiert sich für Corporate Social Responsibility im Web 2.0, Socially Responsible Investments, Green Banking, Micro-Finance und schöne Radwege auf der ganzen Welt.

Die Proliferation der Social Entrepreneurship Wettbewerbe (ashoka, Ben&Jerry’s, SEAkadamie)

Ein Social Entrepreneur hat es nicht schwör – zumindest nicht in Deutschland. Das Thema Social Entrepreneurship ist so stark gewachsen, dass es vermutlich mittlerweile mehr Wettbewerbe gibt als Social Entrepreneurs. Wie stark werden die Interessen der Wettbewerbsteilnehmer zugunsten der Wettbewerbsausrichter berücksichtigt? Dienen die Wettbewerbe eher der Selbstdarstellung von Unternehmen?

Seit einigen Jahren gibt es schon die Fellows-Initiative von Ashoka, die pro Jahr 7-8 Unternehmer_innen auswählen. Der mehrstufige Bewerbungsprozess scheint recht umfangreich zu sein und es stellt sich die Frage, ob der Aufwand des Bewerbungsprozesses durch die Vorteile eines Fellowships aufgewogen wird. Interessant ist auch, dass Ashoka fast genauso viele Mitarbeiter hat wie Fellows – klar, eine Organisation muss professionell geführt werden, das kostet Arbeitszeit und Geld. ashoka ist also nicht nur ein gemeinnütziges Projekt, sondern selber ein Social Entrepreneurship Projekt – die Fellows und die vielen Bewerber finanzieren indirekt das Unternehmen ashoka.

Ashoka arbeitet eng mit verschiedenen Unternehmen zusammen, zum Beispiel unterstützt ashoka das Ben&Jerry’s Join our Core. Das Eisunternehmen möchte ähnliche Unternehmen unterstützen:

Just ask yourself these questions…

Is there long-term demand for your product or service? (If so, great! Your idea demonstrates strong financial sustainability!)
Will your model leave society better off for the next generation? (It does? Hurrah! Your idea demonstrates a positive social impact).
Does your business idea ensure the local and global environment is looked after, so today’s and tomorrow’s children can all enjoy the beauty of the planet…? (If yes, fantastic! I’m picking up an ‘environmental awareness’ vibe from your idea, and I like it!)
Is your approach substantially different from similar initiatives in your field? (If so, superb! This is the knock out test for innovation!)
18 bright sparks will be invited to London for the 11-12th of June to pitch their sustainable business ideas to our panel of expert Judges, including our co-founder Jerry Greenfield, when the 9 winners will be announced! Out in Vermont, the winners will be immersed in the world of Ben & Jerry’s, where it aaaall started back in 1978.

Eine sehr spannende Initiative, aber natürlich auch nicht ohne Eigeninteresse des Unternehmens – das sieht man deutlich an der Wettbewerb-Webseite, die neben dem Unternehmen sehr stark die Produkte von Ben&Jerry’s platziert. Die Seite wirkt daher eher wie eine Werbekampagne für die Eiscreme als für den Gedanken des Social Entrepreneurs, dabei sind unter den Teilnehmern des letzten Jahres sehr spannende Projekte. Wir wurden von einer PR-Agentur, die für Ben&Jerry’s den Wettbewerb für Deutschland koordiniert, per Email angesprochen und gefragt, ob wir nach London mitreisen wollen. Insofern bietet sich vielleicht vor Ort die Gelegenheit, die Entrepreneurs des letzten Jahres zu befragen, was ihnen der Wettbewerb gebracht hat.

Schlussendlich noch ein weiterer Wettbewerb, der sich mit dem Schwerpunkt Bildung und Integration beschäftigt. Die Social Entrepreneurship Akademie schüttet ein Preisgeld von 51.000 Euro für ein Unternehmen aus, welches Chancengerechtigkeit mit Unternehmertum kombiniert. Unterstützt wird das ganze von der Vodafone Stiftung, die aber auf der Wettbewerbs-Seite nur mit einem Logo präsent ist und daher sich angenehm zurückhält.

Vielleicht sorgt die Tatsache, dass vier Münchner Hochschulen hinter der Social-Entrepreneurship-Akademie stehen dafür, dass der Wettbewerb nicht so sehr die Unternehmenskommunikation, sondern das inhaltliche Ziel in den Vordergrund rückt. Aber natürlich stellt sich die Frage, wie die Akademie sich insgesamt finanziert – es gibt eine Reihe von Partnern, Unternehmen und Stiftungen, aber man findet keine Aufstellung darüber, wieviel Geld aus öffentlicher Hand und privatem Geld in dem Projekt gelandet sind.

Wie bei allen Nachhaltigkeits-Themen wird auch beim Thema Social Entrepreneurship oft vergessen, dass Transparenz in Bezug auf die eigene Finanzierung das wichtigste Kriterium ist, um Glaubwürdigkeit herzustellen. Warum kann man bei Ashoka nicht auf der Webseite nachschauen, wieviel Geld über welche Kanäle eingeworben? Wieso kann man bei Ben&Jerry nicht auf der Webseite herausfinden, wieviel Geld in den Wettbewerb und wieviel in das Marketing gesteckt werden? Warum gibt es auf der Webseite der Social Entrepreneurship-Akademie keine Aufstellung des Budgets? Wer Social Entrepreneuership glaubhaft fördern will und Unternehmen mit deren marktwirtschaftlichen Interessen den Zugang zum sozialen Sektor ermöglicht, muss zumindest in dieser Hinsicht mehr Transparenz zeigen.

Obdachlosen-Stadtführung in Berlin – Social-Entrepreneurship-Superlative

Der lange Winter hat den Start von Querstadtein etwas verzögert, aber hoffentlich geht es bald los:

querstadtein lädt ab dem Frühsommer 2013 zu einem neuen Blick auf die Hauptstadt ein: Zum ersten Mal werden in Berlin Stadtführungen von Obdachlosen angeboten, die quer durch die Kieze eine ungewohnte Sicht auf Altbekanntes bieten.

Die (ehemals) Obdachlosen berichten vom Leben auf der Straße und zeigen dabei ihre Orte und Anlaufstellen mit Geschichten von Berliner Straßen, Parks und Plätzen. Insbesondere die Stadtentwicklung und Veränderungen des Stadtbildes aus ihrer Sicht stehen im Mittelpunkt der Rundgänge.

Mit querstadtein werden die TeilnehmerInnen für das Thema Obdachlosigkeit sensibilisiert und erfahren eine Perspektive auf die Stadt jenseits der etablierten Sichtweisen. Die Obdachlosen vermitteln ihren Blick auf Berlin, erfahren durch ihre Arbeit Wertschätzung und Anerkennung und erhalten zusätzlich eine Einkommensmöglichkeit. So tragen die Rundgänge dazu bei, Berührungsängste, beiderseitige Vorurteile und Unsicherheiten abzubauen und gemeinsam auf Augenhöhe ins Gespräch zu kommen.

Ein sehr spannendes Konzept, welches sich Sally Olech da ausgedacht. Ich freue mich, wenn es los geht und würde bei so einer Stadtführung auch als gebürtiger Berliner sofort mitmachen. Stadtführungen in der eigenen Stadt sind sowieso immer sehr interessant.

Die Frage, die ich mir beim Lesen des Projekts gestellt habe, wer den Impuls gegeben hat, wie kam es zu dem Projekt? Vielleicht ist das nur ein Vorurteil, aber ich stelle mir das erstmal aus Sicht der Obdachlosen schwer vor, in die Rolle eines Fremdenführers zu schlüpfen.

Die zweite Frage, die ich mir stellte, wie stark so ein Konzept kopiert werden darf, damit es noch Akzeptanz findet. Nicht dass ich das selber vorhätte, aber an Beispiel der Straßenzeitungen sieht man doch, dass ein Modell, welches urprünglich als sehr innovativ und toll wahrgenommen wurde, irgendwann von vielen als Belästigung empfunden wird, weil zum Beispiel in Berlin sehr viele Straßenzeitungsverkäufer unterwegs sind.

Aber jetzt muss die erste Stadtführung erstmal losgehen – hoffentlich kommt der Frühling bald.

Euer Lobbyismus ist “gesellschaftlicher Auftrag” @udldigital? Pruuuust! Nennt es doch beim Namen!

Sacha Kriwoj beklagt sich auf seinem Blog über die fehlende Erwähnung von UDL-Digital bei den Promi-Besuchen von John Kerry und Philipp Rösler und behauptet:

Ohne die Unternehmen, die bereit sind, sich als Sponsor zu engagieren, würde unsere Welt anders ausschauen. Fußball würden weniger Geld verdienen (damit könnten wir wohl am ehesten umgehen), es würden aber auch viel weniger Veranstaltungen stattfinden. Museen, Galerien und Opernhäuser existieren längst nicht mehr nur, weil sie nicht nur von öffentlicher Hand gefördert werden, sondern auch weil private Unternehmen Millionen und Milliarden in die Hand nehmen. Wir machen das alle, weil wir es als unseren gesellschaftlichen Auftrag verstehen. Und wir machen das auch verdammt noch mal wegen der guten Presse. Ist doch klar.

Wie nennt man das, wenn John Kerry zu ePlus kommt? Richtig: Lobbyismus.

Wie nennt man das, wenn John Kerry zu ePlus kommt? Richtig: Lobbyismus.

 

Erst war ich sauer, als mich Verena auf den Blogpost aufmerksam machte, dann musste ich nur noch lachen.

Was Ihr mit UDL-Digital macht, lieber Sachar, ist weder Sponsoring noch Teil Eurer gesellschaftlichen Verantwortung. Es ist im besten Fall noch Werbung, im schlimmsten Fall als zivilgesellschaftliches Engagement verklärtes Lobbying Eures Unternehmens.

Es gibt DAX-Unternehmen in Deutschland, die stecken einen siebenstelligen Betrag in ein Projekt, bei dem ihre Mitarbeiter in Jugendgefängnisse gehen und dort die Jugendlichen betreuen und ihnen eine Perspektive geben. Es gibt große Unternehmen in Deutschland, die Kältehilfe für Obdachlose unterstützen – mit persönlicher Kraft und viel Geld. Keine einzige Presseerklärung wird sich darüber finden lassen. Denn die Unternehmen machen das nicht, weil sie sich davon eine bessere Kommunikation in der Presse erträumen, sondern weil sie das wirklich als Teil ihrer Verantwortung sehen. Sie machen das aufgrund ihrer inneren Motive, etwas zu verbessern in der Gesellschaft. Das ist Corporate Social Responsibility.

Ja, auch Sponsoring gibt es und es ist ein wichtiger der Aspekt der Kultur- und Sportfinanzierung. Das bedeutet aber nicht, dass man im eigenen Handy-Store die Politik-Prominenz präsentiert, sondern dass ein Unternehmen jemand anderen unterstützt – ein anderes Unternehmen, einen Verein, eine NGO, ein Museum. Der Sponsor lässt dann die anderen in Ruhe – ein Sponsor mischt sich nicht in die Aufstellung der Sportmannschaft ein, sagt nicht, welche Bilder in den Museen aufgehängt werden soll, redet nicht in die Vereinsaktivitäten rein.

UDLDigital ist eine Veranstaltung von ePlus, organisiert von ePlus-Mitarbeitern, bezahlt von ePlus, in Räumen von ePlus. Es hat das Ziel, einerseits die digitale Zivilgesellschaft an ePlus heranzuführen – digitales Astroturfing. Andererseits hat es das Ziel, Politiker mit dem Unternehmen vertraut zu machen und einen fruchtbaren Boden zu schaffen für die Hintergrundgespräche, welche zwar nicht Sachar, aber seine Kollegen aus dem Hauptstadtbüro von ePlus führen. Das hat nichts mit gesellschaftlicher Verantwortung, nichts mit Sponsoring zu tun – es geht um Eure wirtschaftlichen Interessen.

Das sind legitime Interessen. Aber nennt es dann doch beim Namen: Vorfeldarbeit für den Unternehmenslobbyismus. Seid froh, dass bisher so wenige Journalisten sich damit kritisch auseinandergesetzt haben.

Wenn es im Kino kälter wird…

Wie macht man aufmerksam auf die Situation von Obdachlosen? In dem man Kinozuschauern die Heizung runterdreht und eine Decke mit Spendenbutton gibt:

Klirrende Kälte – und nur eine Decke, um sich vor den eisigen Temperaturen im Saal zu schützen. Damit hatten die 150 Besucher im Düsseldorfer UFA-Kino an diesem Dienstag überhaupt nicht gerechnet. Sie hatten sich auf einen gemütlichen Kinoabend mit Popcorn und Freunden eingestellt – auf dem Programm stand der Film “Life of Pi”.

Mit der aufsehenerregenden Aktion “Big Freeze” warb die Agentur Havas Worldwide um Spenden für die Düsseldorfer Obdachlosenhilfe-Organisation Fiftyfifty – unter dem Motto: “Wärmespender werden”.

Via W&V

Sehr viel heftiger ist aber noch der Film, der als Aufklärung gezeigt wurde – die Obdachlosen sagen mehr oder weniger unverblümt, dass die 8 Grad im Kino sogar noch relativ warm sind. Mir wurde beim Ansehen des Films auch richtig kalt.

Aktion von http://www.werde-waermespender.de/

Aktion von http://www.werde-waermespender.de/

Jedenfalls eine sehr gute Idee für die Aktion Werde-Waermespender. Auf witzige Weise werden auch QR-Codes eingesetzt. Muss ich mal die Kollegen von Sozialmarketing.de drauf aufmerksam machen.

Fraisr – Verkaufen für einen guten Zweck

Seit ein paar Stunden ist die Plattform Fraisr online, die ein einfaches und daher sehr überzeugendes Prinzip umsetzt: wer etwas verkaufen möchte, aber das Geld nicht persönlich einstecken will, sondern ein Teil des Geldes für einen guten Zweck geben will, kann das über die Plattform machen.

fraisr ist der erste Marktplatz, auf dem Du gemeinsam mit Deinen Freunden und Mitmenschen für einen guten Zweck handeln kannst.

Dein guter Zweck kann einer unserer offiziellen Spendenpartner sein, aber natürlich auch ein eigenes Projekt von Dir oder ein Anliegen aus Deinem persönlichen Umfeld.

Der Name fraisr kommt von „friendraising“ – und genau darum geht es bei uns: Starte am besten gleich auf fraisr eine Verkaufsaktion für Deinen guten Zweck, entscheide selbst, wieviel Du spenden möchtest, und lade Deine Freunde ein, gemeinsam mit Dir zu handeln.

Die Jungs rund um Lukas-C. Fischer haben da wirkliche eine sehr nette Anwendung hervorgebracht – jetzt warten wir natürlich alle auf die mobile Anwendung à la Stuffle.it oder MyEatery.Com – denn wer will schon alles am Desktop-Computer machen?

Für große Organisationen ist das jedenfalls eine tolle Sache – jetzt können die Greenpeace-Anhänger ihre handgestrickten Topfwärmer an ausgewählte Greenpeace-Mitglieder verkaufen und dabei Greenpeace noch Geld zukommen lassen.

fraisr – commerce with a cause from fraisr on Vimeo.

Was denkt Ihr, ist Fraisr eine zukunftsweisende Form des Fundraisings bzw. des Friendraisings?

Crowdfunding-Kampagne für ein Berliner Baumhaus

Am 22. Oktober findet in Berlin eine Podiumsdiskussion und Ideenwerkstatt zum Thema “Growing a sustainable urban culture” mit u.a. Adrienne Goehler, Kristien Ring, Daniel Dahm, Open Design City in den Räumen von FluxFM statt.

Anlass ist der Start des Baumhaus-Projektes, ein Kulturprojekt für einen öffentlichen Raum. So wie Baumhäuser von Leuten aus der Nachbarschaft als ihr Treffpunkt gebaut werden, werden ab November über vierzig Künstler und Nachbarn gemeinsam einen Ort für soziale Netzwerke und kreative Zusammenarbeit bauen – eine “Plattform für Weltverbesserer”.

Montag, 22.10.12, 19 Uhr – 24 Uhr
Fluxbau @ FluxFM (Pfuelstr. 5, 10997 Berlin, zweiter Hofeingang)
Baumhaus Salon Nr. 1
Growing a sustainable urban culture!
Podiumsdiskussion :: Offene Ideenwerkstatt :: Party :: Pop-Up Gallery & Silent Auction

Ein Abend für Ideen und neue Netzwerke für kreative Zusammenarbeit. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und in Berlin – einer Stadt voller Ideen, Aktionen, Netzwerke, Unternehmen und Projekte, die neue soziale Realitäten schaffen. Mit dem Blick auf ökologische, kulturelle, ästhetische, ökonomische und soziale Perspektiven von Nachhaltigkeit stellen wir an diesem Abend dem Podium und allen Gästen zwei Fragen: Was machst du, um die Welt zu verbessern? Was können wir zusammen machen, um die Welt zu verbessern?

Auf dem Podium: Adrienne Goehler, Kristien Ring, Daniel Dahm und Isaac Abrams, Moderation: Ela Kagel.
Ideenwerkstatt mit Open Design City, Sinnwerkstatt, Himmelbeet, u.a.

2000 Kentucky Fried Chicken Eimer als Protest gegen unsanitäre Arbeitsweisen

In China wollte ein Kunde von Kentucky Fried Chicken dagegen protestieren, dass sein Essen von den Arbeitern ohne Handschuhe hergestellt wird. Seinen Protest wollte er mit 2000 KFC-Eimern verdeutlichen, ihm wurden aber nur 22 verkauft, wie China Smack berichtet.

Sehr spannende Form um auf die Verantwortung von Fast-Food-Ketten hinzuweisen. Ob es aber nicht von vornherein keine gute Idee war, bei einer Fast-Food-Kette zu essen? Wie auch immer – ich warte auf den nächsten Burger- oder Döner-Protest.

Collaborative Consumption: Gemeinsam Wäsche waschen

Mareike Schönherr schreibt bei den Trendbloggern über eine franzöische Plattform, auf der Menschen mit dreckiger Wäsche andere Menschen mit ungenutzten Waschmaschinen finden können:

Ein Studentenquartett aus Lille hatte angesichts des akuten Waschsalon-Mangels in ihrer Stadt eine clevere Idee: Waschmaschinen-Sharing. La machine du voisin verbindet Waschmaschinenbesitzer und Menschen mit Schmutzwäschebergen. Einmal über den Facebook-Account eingeloggt, kann man nach nahegelegenen Waschmaschinen suchen. Das Profil eines Anbieters liefert genauere Informationen zur Waschmaschine, der Lage und eine Kalenderübersicht, um das Gerät zu reservieren. In meiner Umgebung hier in Lyon liegen die Preise für eine Waschladung im Schnitt bei drei Euro und damit leicht unter den gängigen Waschsalonpreisen. Das Teilen der Waschmaschine ist somit nicht nur eine Wohltat für das ohnehin schon belastete Portemonnaie, sondern bietet vielleicht auch die Möglichkeit, nette Bekanntschaften zu machen, während die Wäsche in der fremden Trommel ihre Kreise zieht.

Eine sehr gute Idee. Ob das jemand in Deutschland auch schon probiert hat?

Ein Aluminiummüllhaufen von der Größe des Eiffelturms – Nespresso

Philipp Weber hat einen sehr amüsanten Text über Nespresso geschrieben. Zwei kurze Auszüge:

Was kostet der Nespresso-Kaffee wirklich?

Ich frage den Verkäufer, was so eine Stange mit Kapseln kostet. „10 Kapseln ungefähr 3,50 Euro!“ Ich überschlage im Kopf: Das heißt also 35 Cent pro Stück. Bei circa 6 Gramm Kaffee pro Kapsel. Das sind… Ich rufe begeistert aus: „Krass, das sind ja nur 60 Euro pro Kilo Kaffee!“ Er strahlt mich an. Ironie versteht er auch nicht.

Sind die Jungs irre? Für 60 Euro bekomme ich wilden, handverlesen Dschungel-Kaffee mit Öko-Premium-Siegel, der so fair gehandelt wurde, dass ein äthiopischer Kaffeesammler seine Kinder in Berlin Theaterwissenschaften studieren lassen kann.

Welchen Müllberg produziert er?

„Schon, aber laut eigenen Angaben von Nespresso werden derzeit 12300 Nespresso-Espressi pro Minute getrunken. Bei verarbeiteten 1,1 Gramm Aluminium pro Kapsel, kommt man damit auf 13,5 Kilo in der Minute, 811 Kilo in der Stunde und 19 Tonnen am Tag. Man schätzt jährlich entstehen durch Nespresso ca. 6000 Tonnen Metallabfall. Das entspricht einem Schrotthaufen, der entsteht, wenn man den Eifelturm zersägt!“ Er sieht mich fassungslos an. Rechnen ist offensichtlich ebenfalls nicht seine Stärke.

Sehr lesenswert!

BubbleTea und Nachhaltigkeit – wie ernst sind die CSR-Aktivitäten von McDonald’s zu nehmen?

Volker Eidems berichtet ausführlich über den Nachhaltigkeitsbericht von McDonald’s und untersucht die CSR-Aktivitäten des Unternehmens:

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen viel unternommen um aus der „Schmuddelecke“ zu kommen. So wurde etwa der Logo-Hintergrund in und an den Filialen von rot auf grün geändert, der stellvertretende Deutschland-Chef Holger Beeck erklärte diesen Schritt 2009 als „Bekenntnis zur und Respekt vor der Umwelt“. Wenige Wochen später stellte der Deutschland-Chef Bane Knezevic hingegen klar, McDonald’s sei „kein grünes Unternehmen“. Das Beispiel könnte den Schlingerkurs zwischen dem Ja zur Nachhaltigkeit einerseits und Expansion bei größtmöglichem Gewinn andererseits verdeutlichen.

Den Kontakt mit Kritikern suchen …

Der Ende Juni erschienene Nachhaltigkeitsbericht 2011 von McDonald’s nennt zahlreiche Bereiche, in denen sich das Unternehmen um nachhaltiges Wirtschaften bemüht. Hier werden Energiesparen und Nutzung erneuerbarer Quellen, Abfallmanagement, Gesundheit und Ernährung sowie das Bekenntnis zur Mitarbeiterverantwortung aufgelistet. Bei den Themen Energie und Abfall sind Erfolge zu erkennen, viele Produkte werden bereits in recycelten und/oder recyclebaren Verpackungen verkauft.

… aber die eigenen Kunden nicht ernst nehmen

Auch an anderer Stelle wiegt der Kundenwunsch nicht so schwer, etwa beim Verzicht auf Gentechnik. Höfler-Schwarz erklärt dazu: „McDonald’s Lieferanten sind angewiesen, nach Möglichkeit nur gentechnisch unveränderte Produkte und Zutaten zu verwenden. Bei Geflügel ist dies garantiert […]. Da wir bei Rind nur einen kleinen Anteil des Fleisches von Vertragslieferanten bekommen und sich in den meisten Fällen erst am Schlachthof entscheidet, ob das Rindfleisch für McDonald’s eingesetzt wird, können wir hier keinen direkten Einfluss auf die Art der Fütterung nehmen.“ Aber so schlimm findet McDonald’s Genfutter auch gar nicht: „Es gibt bis heute keine Studien, die genveränderte Eiweißbestandteile im Fleisch der Tiere, an die es verfüttert wurde, nachweisen können. So ist bis heute ein Einfluss dieses Futtermittels auf den Menschen nicht bestätigt worden“, teilt Höfler-Schwarz weiter mit, McDonald’s behalte aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Blick und wolle die Wünsche der Gäste berücksichtigen.

Der Artikel zeigt sehr deutlich, wie schwierig es für ein Unternehmen der Größe McDonald’s ist, in der globalen Nahrungsmittelindustrie sich verantwortlich zu verhalten und gleichzeitig wirtschaftlich effizient zu verhalten. Gerade in letzter Zeit ist McDonald’s durch den Verkauf von BubbleTea in die Kritik geraten. Ob die kalorienhaltigen süssen Getränke erst durch McDonald’s richtig im Markt platziert werden und dadurch zur Massenware wird, oder ob der Bubble-Tea-Trend auch ohne McDonald’s immer stärker geworden wäre, lässt sich nicht mehr klären. Klar ist aber, dass McDonald’s eine besondere Verantwortung hat, seine Kunden darüber aufzuklären, was sie dort konsumieren. Und eigentlich wäre es auch mal eine Überlegung, ob McDonald’s wirklich jeden Trend der Fastfood-Kultur umsetzen muss. Irgendwie passt Bubble-Tea nicht zum Image der Kaffeehaus-Kultur, die im McCafé so gelebt werden soll.

“Das Unternehmen muss dem Menschen dienen”

In der Franfurter Rundschau findet sich ein bemerkenswertes Interview mit Heinrich Deichmann zum Verhältnis des Unternehmens zu seinen Mitarbeitern:

Seit gut zwei Jahren beschäftigen Sie keine Minijobber mehr. Was war der Grund dafür?

Die Minijobs entsprechen nicht mehr unseren Wertvorstellungen. Auch im Verkauf sollten unsere Mitarbeiter sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bekommen. Deshalb haben wir die Aushilfsstellen umgewandelt in Teilzeitkräfte. Außerdem bekommen die Kollegen so eine engere Bindung zum Unternehmen und arbeiten letztlich qualitativ besser.

Zahlen Sie Tariflöhne?

Ich bitte Sie. Unsere Löhne liegen sogar darüber und wir beteiligen die Mitarbeiter am Umsatz. Bei Hochzeit und Geburt eines Kindes gibt es eine Prämie. Wir haben eine Unterstützungskasse, um Kollegen in Not unkompliziert helfen zu können, und wir bieten eine kostenlose Gesundheitswoche an. Unsere Mitarbeiter sind uns äußerst wichtig. Wir haben die Werte, die uns wichtig sind, in einem Unternehmensleitbild zusammengefasst: Das Unternehmen muss dem Menschen dienen. Das bedeutet, dass wir bei unseren Mitarbeitern nicht nur auf die Leistung achten, sondern sie auch als Menschen, mit ihren Bedürfnissen, Sorgen und Nöten ernst nehmen.

Es gibt bei Ihnen einen 100-Prozent-Club. Was ist das?

Das sind unsere Verkaufsstellenleiter, die im Jahr zehn Prozent Umsatzplus oder mehr gemacht haben. Wer das schafft, wird Clubmitglied. Er bekommt eine Prämie und dann geht es mit allen Mitgliedern zusammen für ein Wochenende an einen schönen Ort. 2007 hatten wir 800 Club-Mitglieder. Da haben wir die Aida gechartert und sind drei Tage durch das Mittelmeer gefahren. Ein unvergessliches Erlebnis.

Ein Bonussystem, das den einen oder anderen Verkaufsstellenleiter verleiten könnte, für die Clubmitgliedschaft die hehren Unternehmensgrundsätze zu vergessen und zum Musterausbeuter zu werden.

Solche Dinge merken wir hoffentlich rechtzeitig. Außerdem haben wir unsere Betriebsräte.

Deichmann als CSR-Vorbild? Wahrscheinlich würden viele Konsumenten nicht daran denken, wenn sie an die Schuhmarke denken. Im Gegenteil – wie im Interview deutlich wird, hat Deichmann das Image eines Schuh-Aldis. Dass dies nicht gerechtfertig ist, zeigt auch eine Analyse von Fastexposure zum Umgang von Deichmann auch mit kritischen Themen – dort wird Deichmann in wesentlichen Fragen als CSR-Heavyweight definiert.

Ein dort zitierter Artikel auf utopia.de lässt den Pressesprecher zu Wort kommen:

Das Unternehmen Deichmann informiert von sich aus eher verhalten über seine Wirtschaftsweise – was von Pressesprecher Effing bedauert wird: „Ich sage auch manchmal, wir müssen mit unserem Engagement stärker an die Öffentlichkeit – aber dann denke ich wieder, all die Nachhaltigkeitsberichte der anderen, wozu soviel bedrucktes Papier, wir machen einfach, ohne das an die große Glocke zu hängen.“

Eine solche Unternehmenskommunikation stellt in Frage, ob man aktiv seine CSR-Aktivitäten vertreten sollte oder sich lieber auf passive Berichterstattung in den Medien verlassen sollte. Bei Deichmann scheint letzteres auszureichen.

Müchener Honigabend war erfolgreich

header_stadtimkerIm Herbst hatten wir den Berliner Honigabend durchgeführt, zusammen mit Glas+Bild – ein tolles Erlebnis. Noch viel schöner ist es, dass jetzt in München der Stadtimker Daniel ebenfalls einen sehr erfolgreichen und gut besuchten Honig-Abend durchgeführt hat. Jetzt sind wir gespannt, wo der nächste Honigabend stattfindet.