Wenn es im Kino kälter wird…

Wie macht man aufmerksam auf die Situation von Obdachlosen? In dem man Kinozuschauern die Heizung runterdreht und eine Decke mit Spendenbutton gibt:

Klirrende Kälte – und nur eine Decke, um sich vor den eisigen Temperaturen im Saal zu schützen. Damit hatten die 150 Besucher im Düsseldorfer UFA-Kino an diesem Dienstag überhaupt nicht gerechnet. Sie hatten sich auf einen gemütlichen Kinoabend mit Popcorn und Freunden eingestellt – auf dem Programm stand der Film “Life of Pi”.

Mit der aufsehenerregenden Aktion “Big Freeze” warb die Agentur Havas Worldwide um Spenden für die Düsseldorfer Obdachlosenhilfe-Organisation Fiftyfifty – unter dem Motto: “Wärmespender werden”.

Via W&V

Sehr viel heftiger ist aber noch der Film, der als Aufklärung gezeigt wurde – die Obdachlosen sagen mehr oder weniger unverblümt, dass die 8 Grad im Kino sogar noch relativ warm sind. Mir wurde beim Ansehen des Films auch richtig kalt.

Aktion von http://www.werde-waermespender.de/

Aktion von http://www.werde-waermespender.de/

Jedenfalls eine sehr gute Idee für die Aktion Werde-Waermespender. Auf witzige Weise werden auch QR-Codes eingesetzt. Muss ich mal die Kollegen von Sozialmarketing.de drauf aufmerksam machen.

Collaborative Consumption: Gemeinsam Wäsche waschen

Mareike Schönherr schreibt bei den Trendbloggern über eine franzöische Plattform, auf der Menschen mit dreckiger Wäsche andere Menschen mit ungenutzten Waschmaschinen finden können:

Ein Studentenquartett aus Lille hatte angesichts des akuten Waschsalon-Mangels in ihrer Stadt eine clevere Idee: Waschmaschinen-Sharing. La machine du voisin verbindet Waschmaschinenbesitzer und Menschen mit Schmutzwäschebergen. Einmal über den Facebook-Account eingeloggt, kann man nach nahegelegenen Waschmaschinen suchen. Das Profil eines Anbieters liefert genauere Informationen zur Waschmaschine, der Lage und eine Kalenderübersicht, um das Gerät zu reservieren. In meiner Umgebung hier in Lyon liegen die Preise für eine Waschladung im Schnitt bei drei Euro und damit leicht unter den gängigen Waschsalonpreisen. Das Teilen der Waschmaschine ist somit nicht nur eine Wohltat für das ohnehin schon belastete Portemonnaie, sondern bietet vielleicht auch die Möglichkeit, nette Bekanntschaften zu machen, während die Wäsche in der fremden Trommel ihre Kreise zieht.

Eine sehr gute Idee. Ob das jemand in Deutschland auch schon probiert hat?

Ein Aluminiummüllhaufen von der Größe des Eiffelturms – Nespresso

Philipp Weber hat einen sehr amüsanten Text über Nespresso geschrieben. Zwei kurze Auszüge:

Was kostet der Nespresso-Kaffee wirklich?

Ich frage den Verkäufer, was so eine Stange mit Kapseln kostet. „10 Kapseln ungefähr 3,50 Euro!“ Ich überschlage im Kopf: Das heißt also 35 Cent pro Stück. Bei circa 6 Gramm Kaffee pro Kapsel. Das sind… Ich rufe begeistert aus: „Krass, das sind ja nur 60 Euro pro Kilo Kaffee!“ Er strahlt mich an. Ironie versteht er auch nicht.

Sind die Jungs irre? Für 60 Euro bekomme ich wilden, handverlesen Dschungel-Kaffee mit Öko-Premium-Siegel, der so fair gehandelt wurde, dass ein äthiopischer Kaffeesammler seine Kinder in Berlin Theaterwissenschaften studieren lassen kann.

Welchen Müllberg produziert er?

„Schon, aber laut eigenen Angaben von Nespresso werden derzeit 12300 Nespresso-Espressi pro Minute getrunken. Bei verarbeiteten 1,1 Gramm Aluminium pro Kapsel, kommt man damit auf 13,5 Kilo in der Minute, 811 Kilo in der Stunde und 19 Tonnen am Tag. Man schätzt jährlich entstehen durch Nespresso ca. 6000 Tonnen Metallabfall. Das entspricht einem Schrotthaufen, der entsteht, wenn man den Eifelturm zersägt!“ Er sieht mich fassungslos an. Rechnen ist offensichtlich ebenfalls nicht seine Stärke.

Sehr lesenswert!

BubbleTea und Nachhaltigkeit – wie ernst sind die CSR-Aktivitäten von McDonald’s zu nehmen?

Volker Eidems berichtet ausführlich über den Nachhaltigkeitsbericht von McDonald’s und untersucht die CSR-Aktivitäten des Unternehmens:

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen viel unternommen um aus der „Schmuddelecke“ zu kommen. So wurde etwa der Logo-Hintergrund in und an den Filialen von rot auf grün geändert, der stellvertretende Deutschland-Chef Holger Beeck erklärte diesen Schritt 2009 als „Bekenntnis zur und Respekt vor der Umwelt“. Wenige Wochen später stellte der Deutschland-Chef Bane Knezevic hingegen klar, McDonald’s sei „kein grünes Unternehmen“. Das Beispiel könnte den Schlingerkurs zwischen dem Ja zur Nachhaltigkeit einerseits und Expansion bei größtmöglichem Gewinn andererseits verdeutlichen.

Den Kontakt mit Kritikern suchen …

Der Ende Juni erschienene Nachhaltigkeitsbericht 2011 von McDonald’s nennt zahlreiche Bereiche, in denen sich das Unternehmen um nachhaltiges Wirtschaften bemüht. Hier werden Energiesparen und Nutzung erneuerbarer Quellen, Abfallmanagement, Gesundheit und Ernährung sowie das Bekenntnis zur Mitarbeiterverantwortung aufgelistet. Bei den Themen Energie und Abfall sind Erfolge zu erkennen, viele Produkte werden bereits in recycelten und/oder recyclebaren Verpackungen verkauft.

… aber die eigenen Kunden nicht ernst nehmen

Auch an anderer Stelle wiegt der Kundenwunsch nicht so schwer, etwa beim Verzicht auf Gentechnik. Höfler-Schwarz erklärt dazu: „McDonald’s Lieferanten sind angewiesen, nach Möglichkeit nur gentechnisch unveränderte Produkte und Zutaten zu verwenden. Bei Geflügel ist dies garantiert […]. Da wir bei Rind nur einen kleinen Anteil des Fleisches von Vertragslieferanten bekommen und sich in den meisten Fällen erst am Schlachthof entscheidet, ob das Rindfleisch für McDonald’s eingesetzt wird, können wir hier keinen direkten Einfluss auf die Art der Fütterung nehmen.“ Aber so schlimm findet McDonald’s Genfutter auch gar nicht: „Es gibt bis heute keine Studien, die genveränderte Eiweißbestandteile im Fleisch der Tiere, an die es verfüttert wurde, nachweisen können. So ist bis heute ein Einfluss dieses Futtermittels auf den Menschen nicht bestätigt worden“, teilt Höfler-Schwarz weiter mit, McDonald’s behalte aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse im Blick und wolle die Wünsche der Gäste berücksichtigen.

Der Artikel zeigt sehr deutlich, wie schwierig es für ein Unternehmen der Größe McDonald’s ist, in der globalen Nahrungsmittelindustrie sich verantwortlich zu verhalten und gleichzeitig wirtschaftlich effizient zu verhalten. Gerade in letzter Zeit ist McDonald’s durch den Verkauf von BubbleTea in die Kritik geraten. Ob die kalorienhaltigen süssen Getränke erst durch McDonald’s richtig im Markt platziert werden und dadurch zur Massenware wird, oder ob der Bubble-Tea-Trend auch ohne McDonald’s immer stärker geworden wäre, lässt sich nicht mehr klären. Klar ist aber, dass McDonald’s eine besondere Verantwortung hat, seine Kunden darüber aufzuklären, was sie dort konsumieren. Und eigentlich wäre es auch mal eine Überlegung, ob McDonald’s wirklich jeden Trend der Fastfood-Kultur umsetzen muss. Irgendwie passt Bubble-Tea nicht zum Image der Kaffeehaus-Kultur, die im McCafé so gelebt werden soll.

“Das Unternehmen muss dem Menschen dienen”

In der Franfurter Rundschau findet sich ein bemerkenswertes Interview mit Heinrich Deichmann zum Verhältnis des Unternehmens zu seinen Mitarbeitern:

Seit gut zwei Jahren beschäftigen Sie keine Minijobber mehr. Was war der Grund dafür?

Die Minijobs entsprechen nicht mehr unseren Wertvorstellungen. Auch im Verkauf sollten unsere Mitarbeiter sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bekommen. Deshalb haben wir die Aushilfsstellen umgewandelt in Teilzeitkräfte. Außerdem bekommen die Kollegen so eine engere Bindung zum Unternehmen und arbeiten letztlich qualitativ besser.

Zahlen Sie Tariflöhne?

Ich bitte Sie. Unsere Löhne liegen sogar darüber und wir beteiligen die Mitarbeiter am Umsatz. Bei Hochzeit und Geburt eines Kindes gibt es eine Prämie. Wir haben eine Unterstützungskasse, um Kollegen in Not unkompliziert helfen zu können, und wir bieten eine kostenlose Gesundheitswoche an. Unsere Mitarbeiter sind uns äußerst wichtig. Wir haben die Werte, die uns wichtig sind, in einem Unternehmensleitbild zusammengefasst: Das Unternehmen muss dem Menschen dienen. Das bedeutet, dass wir bei unseren Mitarbeitern nicht nur auf die Leistung achten, sondern sie auch als Menschen, mit ihren Bedürfnissen, Sorgen und Nöten ernst nehmen.

Es gibt bei Ihnen einen 100-Prozent-Club. Was ist das?

Das sind unsere Verkaufsstellenleiter, die im Jahr zehn Prozent Umsatzplus oder mehr gemacht haben. Wer das schafft, wird Clubmitglied. Er bekommt eine Prämie und dann geht es mit allen Mitgliedern zusammen für ein Wochenende an einen schönen Ort. 2007 hatten wir 800 Club-Mitglieder. Da haben wir die Aida gechartert und sind drei Tage durch das Mittelmeer gefahren. Ein unvergessliches Erlebnis.

Ein Bonussystem, das den einen oder anderen Verkaufsstellenleiter verleiten könnte, für die Clubmitgliedschaft die hehren Unternehmensgrundsätze zu vergessen und zum Musterausbeuter zu werden.

Solche Dinge merken wir hoffentlich rechtzeitig. Außerdem haben wir unsere Betriebsräte.

Deichmann als CSR-Vorbild? Wahrscheinlich würden viele Konsumenten nicht daran denken, wenn sie an die Schuhmarke denken. Im Gegenteil – wie im Interview deutlich wird, hat Deichmann das Image eines Schuh-Aldis. Dass dies nicht gerechtfertig ist, zeigt auch eine Analyse von Fastexposure zum Umgang von Deichmann auch mit kritischen Themen – dort wird Deichmann in wesentlichen Fragen als CSR-Heavyweight definiert.

Ein dort zitierter Artikel auf utopia.de lässt den Pressesprecher zu Wort kommen:

Das Unternehmen Deichmann informiert von sich aus eher verhalten über seine Wirtschaftsweise – was von Pressesprecher Effing bedauert wird: „Ich sage auch manchmal, wir müssen mit unserem Engagement stärker an die Öffentlichkeit – aber dann denke ich wieder, all die Nachhaltigkeitsberichte der anderen, wozu soviel bedrucktes Papier, wir machen einfach, ohne das an die große Glocke zu hängen.“

Eine solche Unternehmenskommunikation stellt in Frage, ob man aktiv seine CSR-Aktivitäten vertreten sollte oder sich lieber auf passive Berichterstattung in den Medien verlassen sollte. Bei Deichmann scheint letzteres auszureichen.

Bionade im Sprudel-Strudel – Umsatz zu schlecht?

korkenfall_hochBionade-Chef Peter Kowalsky bedauert laut Spiegel Online die 30-prozentige Preiserhöhung der Biolimo. Die drastische Preiserhöhung – vor wenigen Monaten noch als logischer Schritt begründet (das Original müsse nun einmal das teuerste Produkt sein) – sei eine “mehrheitlich getroffene Entscheidung mit Rhönsprudel” gewesen, zitiert SpOn. Die Schindel-Gruppe, zu der u.a. RhönSprudel gehört, habe aufgrund finanzieller Engpässe auf die Erhöhung gedrängt.

Die damalige Preiserhöhung selbst hatte die First Mover in der Bionade-Anhängerschaft, die der Limo erst zu ihrem Erfolg verholfen hatten, verschreckt – wie u.a. die Diskussion hier bei Christoph zeigt.

Aber warum so plötzlich der Richtungswechsel? Was ist da los an der Rhön?

Anscheinend üben die Kreditgeber mächtig Druck auf die Schindler-Gruppe aus, die Limo-Anteile zu verkaufen. Und Kowalsky scheint erst jetzt zu bemerken, welchen Weg das Unternehmen eingeschlagen hat: “Es ist, als kreisten wir als Biene um unseren Dorfteich und genehmigten uns ab und an ein Schlückchen. Und plötzlich kommen Elefanten, hängen ihren Rüssel rein und fangen an zu saugen.” Kowalsky sieht sich von den so gar nicht LOHASigen Anteilseignern ausgesaugt und spuckt zurück: Kowalsky selbst hätte den Verbrauchern nicht derart “frontal in die Schnauze” gehauen.

Natürlich nicht.

Die Bionade wirbelt derzeit ordentlich im Sprudel-Strudel – mal sehen, wie viel Bionade jetzt wirklich “wert” ist.

Wie seht Ihr die Diskussion um Bionade? Kauft Ihr überhaupt noch Bionade? Ich für meinen Teil bin mittlerweile zu anderen Öko-Limos übergegangen – nicht zuletzt wegen der schlagartigen Preiserhöhung.

P.S.: (Die Gerüchteküche um den Eigentümerwechsel von Bionade brodelt übrigens schon seit einiger Zeit)

Greenpeace im ewigen Eis auf Forschungsmission

20090712-radar-kay_1445315iDas Greepeace Schiff “Arctic Sunrise” ist zur Zeit in Grönland, um dort die Auswirkungen des Klimawandels auf die nördlichsten Eisgletscher zu untersuchen. Unterwegs auf dem Schiff ist auch der Fotograf Nick Cobbing. Eine Auswahl von Fotos sind bei Flickr und bei der britischen Zeitung Telegraph zu sehen. Via Futerra-Blog.

Von Nachterstedt zum RWE-Riesen

rwerieseDer Verlust von Menschenleben ist immer tragisch, keine Frage. Und es ist eine besondere Tragik, wenn durch eine Naturkatastrophe wie Nachterstedt Menschen zu Schade kommen. Schließlich können die Einwohner von Nachterstedt nichts dafür, dass seit Jahrzehnten durch den Abbau von Kohle die um sie herum liegende Landschaft umgewandelt und durchlöchert wurde auf der Suche nach dem Rohstoff Kohle. Man könnte fast zynisch sagen: “Die Natur holt sich irgendwann alles zurück!”

Es ist natürlich richtig, wenn versucht wird, aus den alten Löchern des Braunkohletagebau wieder etwas zu machen, dass halbwegs an Natur erinnert, also Seenlandschaften zu gestalten und den Tourismus anzukurbeln. Dass diese Renaturierung aber nicht vollkommen der menschlichen Kontrolle unterliegt, sondern zu Katastrophen führen kann, sieht man in Nachterstedt.

luegendetektorDa kann man fast nur lachen, was der Energiekonzern RWE gerade an Greenwashing in die Kinos bringt. Einen netten kleinen Film über einen Riesen, der im ganzen Land Windräder, Gezeitenkrafträder, Wasserkraft verteilt und damit die Lichter anmacht.

Wie das Greenpeace-Magazin berichtet, sieht die Realität beim RWE-Konzern ganz anders aus:

Doch Windkraftanlagen, die in dem Film an erster Stelle präsentiert werden, besitzt der Stromkonzern hierzulande fast keine – mit 43 Megawatt Leistung machten sie laut einer Studie im Auftrag von Greenpeace im Jahr 2008 gerade 0,1 Prozent des RWE-Kraftwerksparks aus (im Bundesdurchschnitt trägt Windkraft bereits mit circa 7 Prozent zur Stromerzeugung bei). Investiert der sympathische Energieriese wenigstens so viel wie möglich in den Ausbau dieser klimaschonenden Energieart? Naja. Laut erwähnter Untersuchung fließen in den kommenden Jahren gerade mal schlappe 15 Prozent der gesamten RWE-Kraftwerksinvestitionen in erneuerbare Energien. Für neue klimaschädliche Kohlekraftwerke wird ein Vielfaches der Windkraft-Investitionen ausgegeben.

So ähnlich geht es weiter: Das Meeresströmungskraftwerk, das der Riese hier errichtet, existiert in der Realität bisher nur auf dem Reißbrett. Die Hochspannungsmasten von RWE, die gezeigt werden, gerieten vor ein paar Jahren in die Schlagzeilen, weil sie im Winter umknickten und zu einem Gutteil noch aus der Vorkriegszeit stammten. Und die Förderung von Braunkohle, aus der RWE den mit Abstand größten Teil seines hierzulande erzeugten Stroms gewinnt, wird in dem Filmchen in zehn kurzen Sekündchen gezeigt – doppelt so viel Zeit räumen die RWE-Werber der anschließenden Renaturierung der geschundenen Landschaft ein, symbolisiert durch das Ausrollen von Rollrasen durch den niedlichen Riesen.

Das Auslegen von Rollrasen hat mit Renaturierung leider reichlich wenig zu, wie uns Nachterstedt dieses Wochenende gezeigt hat. Eines hat das Greenpeace-Magazin in seinem Lügendetektor-Bericht sogar noch vergessen:

In den ersten fünf Sekunden des Films erhebt sich der mit Bäumen überwachsene Riese schläfrig in einer samten Bergwelt. Wer da zufällig daran denken muss, dass in den USA das sogenannte “Mountaintop Removal”, bei dem ganze Bergspitzen abgesprengt werden um an Kohle zu kommen, ein Revival feiert, der hat wohl zuviel hinter die Kulissen des netten Spots geguckt.

Energie für Engagierte | Von Grünwäschern?

Das schwedische Energieuternehmen Vattenfall hat sich wieder mal was Neues in Sachen “Klimaschutz” einfallen lassen. Nach der Klimaakademie hat Vattenfall jetzt eine neue Kampagne mit dem Titel “Verbraucher gegen den Klimawandel” gestartet. Zweck der Plattform sei, “Menschen zum Handeln [zu] ermutigen und ihren Einfluss als Staatsbürger und Konsumenten geltend zu machen, damit Politiker und Unternehmen die notwendigen Schritte gegen den Klimawandel einleiten.” Aha.
Wie wäre es denn, wenn Vattenfall selbst einen nennenswerten Beitrag zum Klimaschutz leisten würde statt sich in grünwaschenden Web 2.0-Spielereien zu versuchen und die Verantwortung an den Verbraucher weiterzuschieben?

Via Klimalügendetektor und Greenpeace News.

Grünen beamen sich in die Staatskanzlei

Mit einer ungewöhnlichen Wahlkampfaktion haben die Grünen den bayerischen Landtagswahlkampf abgeschlossen: sie beamten ein Plakat an die Wand der bayerischen Staatskanzlei, dass die CSU-Politiker Beckstein und Huber zeigt, aber den Spruch trägt “Geht mit Gott. Aber geht. Zeit wird’s.”

Auch wenn leistungsstarke Beamer sicherlich einiges an Energie fressen, so war die Guerilla-Aktion (die wie auf dem Foto zu sehen ist, mit der Polizei abgesprochen war) sicherlich wesentlich nachhaltiger als das energieintensive Drucken, Verteilen und Kleben von Postern.

Wie der Stern berichtet, greift auch die SPD zu subversiven Wahlkampfmethoden in der Kino-Werbung:

Sekundenlang wird ein Bild von CSU-Chef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein eingeblendet. Eigentlich ein nettes Bild. Beide lächeln. “Was sind denn das für hässliche Zahnreihen?”, lästert eine Frau. “Wollen die mir jetzt den ganzen Abend versauen”, ärgert sich ein anderer. Schließlich verschwindet das Bild. Ein Schriftzug erscheint: “Sie können das übrigens auch abschalten.” Dann folgt das Logo der Bayern-SPD. Dutzende Zuschauer lachen erleichtert und klatschen.

Beiden Werbeaktionen haben die Gemeinsamkeit, dass sie fast gar nichts zu den Zielen der Grünen bzw. der SPD aussagen, sondern nur die negative Grundstimmung gegenüber der CSU ausnutzen. Bedeutet dies, dass Negative Campaigning langsam salonfähig wird? Werden wir auch bald (wie schon in den USA üblich) Fernsehspots sehen, die im verschwörerischen Unterton die Kandidaten der anderen Parteien schlecht machen?

Die Wikipedia definiert Negative Campaigning so:

Negative campaigning is trying to win an advantage by referring to negative aspects of an opponent or of a policy rather than emphasizing one’s own positive attributes or preferred policies.

Nach dieser Definition kann man die Aktionen der Grünen bzw. der SPD als “Negative Campaigning Light” bezeichnen. Aber kommt sowas bei den Wählern an? In einer Studie von Jürgen und Michaela Maier über zwei Spots von CDU und SPD, die im Bundestagswahlkampf 2005 liefen und sich deutlich negativ auf die andere , waren die Wirkungen auf die Zuschauer eher negativ:

Both spots received, on average, negative evaluations by a sample of German citizens who watched the ads in an experimental setting. In addition, real-time response measurement showed that negative feelings toward the spots occurred as long as the political opponent was being directly attacked.

Aber diese Spots hatten nicht den ironischen Unterton, den die SPD und die Grüne in Bezug auf die CSU gepflegt haben. Wir werden heute abend sehen, ob sich die Strategie ausgezahlt hat.

Stern, Spiegel, CNN: Tanzen gegen den Klimawandel


Stern:

Junge Holländer können jetzt mit gutem Gewissen feiern: In Rotterdam hat die erste Öko-Disko eröffnet und eine ganz neue Methode zum Klimaschutz etabliert: tanzen. Je heftiger die Tanzfläche bearbeitet wird, desto mehr Strom entsteht.

Spiegel:

The club will be among the first in the world to give back some of what dancers leave on the floor – and it is part of a larger effort by Enviu subsidiary Sustainable Dance Club (SDC) to introduce environmental technology to an industry that has traditionally been a voracious consumer of electricity.

Mehr zum Club auf Sustainable Rotterdam, bei Treehugger und über menschlicher Energie auf Green Micro Gym.

Update: Ein Interview mit den Machern bei Sound of Sirens .

David Letterman: Klimawandel – wir sind alle tot!

David Letterman, der bekannte amerikanische Talkshow-Host hat kürzlich einen längeren Monolog über den Klimawandel gehalten, der überraschend offen ist. Letterman sagt mit deutlichen Worten, dass es schon längst zu spät sei, den Klimawandel aufzuhalten, und dass es seit den 80er Jahren keinen Politiker gegeben hat, der sich des Themas richtig angenommen hat.

NIKE verrät das Internet an die chinesische Regierung

Marina Hyde schreibt im Guardian-Blog über die Bemühungen des Sportartikelherstellers NIKE, beim Aufklären von Internetgerüchten die chinesischen Behörden einzuschalten.

Ein anonymer Internetuser hatte das Gerücht verbreitet, das NIKE den Hürdenläufer Liu Xiang dazu gedrängt hatte, aus dem Wettkampf auszusteigen, um die Marke nicht zu beschädigen. Die Firma hatte durch ganzseitige Anzeigen in China zu zeigen versucht, dass sie mit den Athleten durch dick und dünn geht. Als das Gerücht aufkam, wurden nun die chinesischen Behörden eingeschaltet, um herauszufinden, wer es gestartet hatte.

Charles Brooks, Pressesprecher von NIKE, betonte gegenüber der Zeitung The Guardian, dass es NIKE nur darum gehen würde, ihre Markenreputation zu beschützten, so wie das angeblich jede Firma tun würde, wenn falsche Beschuldigungen veröffentlicht würden.

Wie Martina Hyde ausführt, hat das ganze aber einen komischen Beigeschmack:

Didn’t the alarm bells ring the minute Brooks’ employers decided to get the government to help them with their inquiries? Wasn’t that the “Just don’t do it” moment? But Nike won’t comment on this. Is Nike even dimly aware of how the Chinese authorities might handle the culprit, particularly given the hysteria around the Liu Xiang situation? It’s unlikely to be a trip down to the libel courts. [...] But Nike is enlisting the services of a repressive regime to crush its enemies.

NIKE hätte andere Möglichkeiten gehabt, so einem Internetgerücht entgegen zu treten, aber die beste Strategie wäre gewesen, das ganze zu ignorieren. So zeigt das Unternehmen nur, dass die Marke wichtiger ist als Menschenrechte.

Schavan, der Hubschrauber und die Bahn

Der Spiegel berichtet über einen Hubschrauber-Ausflug der Bundesbildungsministerin Schavan, die um 14 Uhr in Stuttgart bei einer Podiumsdiskussion war und um 16 Uhr in Zürich für ein Interview sein musste. Der Hubschrauber-Flug kostete 26.500 Euro, nach Angaben der Bild-Zeitung wäre ein Lufthansa-Flug nur mit 329 Euro zu Buche geschlagen.

Was sowohl Spiegel als auch Bild vergessen: ein Ticket mit der Bahn hätte nur 45,40 Euro gekostet und ebenfalls nur 2 Stunden und 45 Minuten gedauert, wahrscheinlich genauso lange wie der Flug, wenn man Einchecken und Security mitrechnet. Die Redakteure der Züricher Zeitung hätten die eilige Ministerin auch in Stuttgart am Hauptbahnhof im ICE begrüßen und dann die Zeit für das Interview nutzen können.

Seife in Afrika – Wie gut gemachte Werbung Verhaltensänderungen bewirken kann

Ein länger Artikel in der New York Times über die Kooperation von Werbeexperten und NGOs in Afrika beim Thema Hygiene:

“For a long time, the public health community was distrustful of industry, because many felt these companies were trying to sell products that made people’s lives less healthy, by encouraging them to smoke, or to eat unhealthy foods, or by selling expensive products people didn’t really need. But those tactics also allow us to save lives. If we want to really help the world, we need every tool we can get.”