„Das Unternehmen muss dem Menschen dienen“

In der Franfurter Rundschau findet sich ein bemerkenswertes Interview mit Heinrich Deichmann zum Verhältnis des Unternehmens zu seinen Mitarbeitern:

Seit gut zwei Jahren beschäftigen Sie keine Minijobber mehr. Was war der Grund dafür?

Die Minijobs entsprechen nicht mehr unseren Wertvorstellungen. Auch im Verkauf sollten unsere Mitarbeiter sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bekommen. Deshalb haben wir die Aushilfsstellen umgewandelt in Teilzeitkräfte. Außerdem bekommen die Kollegen so eine engere Bindung zum Unternehmen und arbeiten letztlich qualitativ besser.

Zahlen Sie Tariflöhne?

Ich bitte Sie. Unsere Löhne liegen sogar darüber und wir beteiligen die Mitarbeiter am Umsatz. Bei Hochzeit und Geburt eines Kindes gibt es eine Prämie. Wir haben eine Unterstützungskasse, um Kollegen in Not unkompliziert helfen zu können, und wir bieten eine kostenlose Gesundheitswoche an. Unsere Mitarbeiter sind uns äußerst wichtig. Wir haben die Werte, die uns wichtig sind, in einem Unternehmensleitbild zusammengefasst: Das Unternehmen muss dem Menschen dienen. Das bedeutet, dass wir bei unseren Mitarbeitern nicht nur auf die Leistung achten, sondern sie auch als Menschen, mit ihren Bedürfnissen, Sorgen und Nöten ernst nehmen.

Es gibt bei Ihnen einen 100-Prozent-Club. Was ist das?

Das sind unsere Verkaufsstellenleiter, die im Jahr zehn Prozent Umsatzplus oder mehr gemacht haben. Wer das schafft, wird Clubmitglied. Er bekommt eine Prämie und dann geht es mit allen Mitgliedern zusammen für ein Wochenende an einen schönen Ort. 2007 hatten wir 800 Club-Mitglieder. Da haben wir die Aida gechartert und sind drei Tage durch das Mittelmeer gefahren. Ein unvergessliches Erlebnis.

Ein Bonussystem, das den einen oder anderen Verkaufsstellenleiter verleiten könnte, für die Clubmitgliedschaft die hehren Unternehmensgrundsätze zu vergessen und zum Musterausbeuter zu werden.

Solche Dinge merken wir hoffentlich rechtzeitig. Außerdem haben wir unsere Betriebsräte.

Deichmann als CSR-Vorbild? Wahrscheinlich würden viele Konsumenten nicht daran denken, wenn sie an die Schuhmarke denken. Im Gegenteil – wie im Interview deutlich wird, hat Deichmann das Image eines Schuh-Aldis. Dass dies nicht gerechtfertig ist, zeigt auch eine Analyse von Fastexposure zum Umgang von Deichmann auch mit kritischen Themen – dort wird Deichmann in wesentlichen Fragen als CSR-Heavyweight definiert.

Ein dort zitierter Artikel auf utopia.de lässt den Pressesprecher zu Wort kommen:

Das Unternehmen Deichmann informiert von sich aus eher verhalten über seine Wirtschaftsweise – was von Pressesprecher Effing bedauert wird: „Ich sage auch manchmal, wir müssen mit unserem Engagement stärker an die Öffentlichkeit – aber dann denke ich wieder, all die Nachhaltigkeitsberichte der anderen, wozu soviel bedrucktes Papier, wir machen einfach, ohne das an die große Glocke zu hängen.“

Eine solche Unternehmenskommunikation stellt in Frage, ob man aktiv seine CSR-Aktivitäten vertreten sollte oder sich lieber auf passive Berichterstattung in den Medien verlassen sollte. Bei Deichmann scheint letzteres auszureichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.